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Warum entstehen Triggerpunkte? Muskelknoten oder Schutzmechanismus des Körpers?

29. Sept.
3 Min. Lesezeit

Verspannungen im Nacken, Schmerzen zwischen den Schulterblättern oder ein druckempfindlicher Punkt im Rücken – viele Menschen kennen diese Beschwerden. Oft fällt dann der Begriff Triggerpunkt oder Muskelknoten. Doch was steckt eigentlich dahinter? Handelt es sich tatsächlich um einen verknoteten Muskel oder ist die Erklärung komplexer?


Die Forschung zeigt heute, dass Triggerpunkte weit mehr sind als eine lokale Muskelverhärtung. Neben der Muskulatur spielen auch das Nervensystem, unsere Belastung im Alltag und sogar Stress eine wichtige Rolle.


Was sind Triggerpunkte?

Triggerpunkte sind druckempfindliche Bereiche innerhalb eines Muskels, die Schmerzen auslösen können. Viele Betroffene beschreiben sie als kleine Muskelknoten, da sie sich häufig wie eine lokale Verhärtung anfühlen. Nach heutigem wissenschaftlichem Kenntnisstand handelt es sich jedoch wahrscheinlich nicht einfach um „verknotete" Muskelfasern.


Vielmehr entstehen Triggerpunkte vermutlich durch das Zusammenspiel von Muskelgewebe, Nervensystem und Schmerzverarbeitung. Der Körper reagiert dabei auf unterschiedliche Belastungen mit einer erhöhten Empfindlichkeit bestimmter Muskelbereiche.


Typisch für Triggerpunkte ist außerdem, dass die Schmerzen nicht immer nur an der betroffenen Stelle auftreten. So können Triggerpunkte im Nacken Kopfschmerzen verursachen oder Beschwerden in der Gesäßmuskulatur bis ins Bein ausstrahlen. Dieses Phänomen wird als übertragener Schmerz bezeichnet.


Ein Triggerpunkt bedeutet dabei nicht automatisch, dass der Muskel geschädigt ist. Häufig handelt es sich vielmehr um eine Schutzreaktion des Körpers auf Überlastung oder andere Belastungsfaktoren.


Warum entstehen Muskelknoten?

Eine einzelne Ursache gibt es wahrscheinlich nicht. Nach heutigem Forschungsstand entstehen Triggerpunkte durch das Zusammenspiel verschiedener Faktoren.


Über- oder Unterforderung der Muskulatur

Unsere Muskeln sind darauf ausgelegt, regelmäßig bewegt und belastet zu werden. Sowohl eine ungewohnte Überlastung als auch Bewegungsmangel können dazu führen, dass einzelne Muskelbereiche empfindlicher reagieren.


Das kann beispielsweise nach intensiver körperlicher Arbeit, langem Sitzen am Schreibtisch oder durch immer gleiche Bewegungsabläufe entstehen. Fehlen ausreichende Erholungsphasen, nimmt die Belastbarkeit der Muskulatur mit der Zeit ab.


Das Nervensystem beeinflusst die Muskelspannung

Heute weiß man, dass Triggerpunkte nicht nur ein Problem des Muskels sind. Auch das Nervensystem spielt eine entscheidende Rolle.


Unser Gehirn reguliert ständig die Spannung unserer Muskulatur. Kommt es durch Schmerzen, Überlastung oder Stress zu einer erhöhten Aktivität des Nervensystems, können einzelne Muskeln dauerhaft empfindlicher werden. Deshalb treten Triggerpunkte häufig gemeinsam mit Nacken-, Schulter- oder Rückenschmerzen auf.


Stress kann Beschwerden durch Triggerpunkte verstärken

Viele Menschen spüren in stressigen Phasen einen verspannten Nacken oder hochgezogene Schultern. Das ist kein Zufall.


Unter Stress aktiviert der Körper das vegetative Nervensystem und bereitet sich auf erhöhte Leistungsbereitschaft vor. Kurzfristig ist diese Reaktion sinnvoll. Hält sie jedoch über längere Zeit an, kann die Muskulatur dauerhaft unter Spannung stehen und empfindlicher auf Belastungen reagieren.


Stress allein verursacht keine Triggerpunkte, kann ihre Entstehung jedoch begünstigen oder bestehende Beschwerden verstärken.


Verletzungen und veränderte Bewegungsmuster

Nach einer Verletzung versucht der Körper, schmerzhafte Bereiche zu entlasten. Dadurch übernehmen andere Muskeln zusätzliche Aufgaben und werden stärker beansprucht.


Auch wenn die ursprüngliche Verletzung längst verheilt ist, können solche Schonhaltungen bestehen bleiben und dazu führen, dass einzelne Muskelgruppen dauerhaft überlastet werden.


Warum strahlen Triggerpunkte häufig aus?

Ein besonderes Merkmal von Triggerpunkten ist der sogenannte übertragene Schmerz. Dabei liegt der empfindliche Muskelbereich an einer anderen Stelle als der Schmerz, den wir wahrnehmen.


So können Triggerpunkte im Gesäß Beschwerden bis in den Oberschenkel oder die Wade auslösen, während Triggerpunkte im Schulter-Nacken-Bereich Kopfschmerzen verursachen können.


Der Grund dafür liegt vermutlich in der Verarbeitung von Schmerzsignalen im Rückenmark und Gehirn. Dort werden Informationen aus verschiedenen Körperregionen miteinander verknüpft. Dadurch nimmt unser Gehirn Schmerzen manchmal nicht exakt an ihrem Ursprung wahr.


Wie können Triggerpunkte und Muskelknoten behandelt werden?

Da Triggerpunkte unterschiedliche Ursachen haben können, sollte auch die Behandlung individuell erfolgen.


Manuelle Techniken – beispielsweise im Rahmen einer osteopathischen Behandlung – können helfen, die Muskelspannung zu regulieren, Schmerzen zu lindern und die Beweglichkeit zu verbessern. Gleichzeitig zeigen wissenschaftliche Untersuchungen, dass langfristige Erfolge vor allem dann erreicht werden, wenn Patienten selbst aktiv werden.


Dazu gehören regelmäßige Bewegung, gezielte Kräftigungsübungen, ausreichend Regeneration sowie ein bewusster Umgang mit Stress und Belastungen im Alltag.

Deshalb besteht eine moderne Behandlung nicht nur aus der Therapie auf der Behandlungsliege. Ebenso wichtig ist es, die Ursachen der Beschwerden zu erkennen und gemeinsam Strategien zu entwickeln, um einer erneuten Überlastung vorzubeugen.


Fazit

Triggerpunkte sind nach heutigem wissenschaftlichem Verständnis weit mehr als einfache Muskelknoten. Wahrscheinlich entstehen sie durch das Zusammenspiel von Muskelbelastung, Nervensystem, Bewegung, Stress und Regeneration.


Deshalb reicht es häufig nicht aus, nur den schmerzhaften Muskel zu behandeln. Entscheidend ist es, die individuellen Ursachen der Beschwerden zu erkennen und den Körper als Ganzes zu betrachten.


Eine osteopathische Untersuchung kann dabei helfen, funktionelle Zusammenhänge zu erkennen und die Behandlung individuell auf Ihre Beschwerden abzustimmen. In Kombination mit gezielter Bewegung und einer aktiven Mitarbeit des Patienten lassen sich Triggerpunkte häufig nachhaltig positiv beeinflussen.


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