top of page

Woran erkennt man einen guten Osteopathen?

Osteopathie ist eine sehr persönliche Therapieform: Man gibt Verantwortung, Vertrauen und seinen Körper in fremde Hände. Umso wichtiger ist es zu wissen, woran man eine gute osteopathische Behandlung erkennt – und woran eben nicht.


Der Anlass für diesen Artikel war ein Erlebnis, das mir kürzlich von einer Patientin geschildert wurde und das mich ehrlich gesagt erschüttert hat:


Ein Orthopäde mit osteopathischem Angebot erklärte ihr bei harmlosen, kleinen bindegewebigen Adhäsionen am Schienbein, es handle sich um eine „Form der Sehnenscheidenentzündung“. Diese müsse dringend und ausschließlich von ihm behandelt werden, sonst drohe ihr in zehn Jahren ein „orthopädischer Notfall“.

Empfohlen wurden 10 Behandlungen à 390 €.

Das ist kein medizinisch sauberes Arbeiten, das ist Angstverkauf. Und genau deshalb ist Aufklärung so wichtig.


Die wichtigsten Merkmale eines guten Osteopathen


1. Freundlichkeit und echte Zugewandtheit

Ein guter Osteopath begegnet Menschen auf Augenhöhe. Freundlichkeit ist kein Bonus – sie ist Grundvoraussetzung. Dazu gehört ein respektvoller Umgang, ein offenes Zuhören und ein wertschätzender Ton, unabhängig davon, wie komplex oder banal eine Beschwerde erscheint.


2. Empathie statt Abfertigung

Empathie bedeutet nicht Mitleid, sondern echtes Interesse am Menschen hinter den Symptomen. Beschwerden werden ernst genommen – ohne Dramatisierung, aber auch ohne Bagatellisierung.


3. Erfahrung – und der richtige Umgang damit

Erfahrung zeigt sich nicht durch große Versprechen, sondern durch Ruhe, Klarheit und realistische Einschätzungen. Gute Osteopathen wissen, was sie können – und auch, wo ihre Grenzen liegen.


4. Regelmäßige Fortbildungen

Medizinisches Wissen entwickelt sich ständig weiter. Wer osteopathisch arbeitet, hält sich fachlich up to date, reflektiert eigene Konzepte und bildet sich regelmäßig fort – fachlich und menschlich.


5. Der ehrliche Wunsch, Menschen zu helfen

Das klingt banal, ist aber entscheidend. Bei einem guten Osteopathen steht der Mensch im Mittelpunkt – nicht der Umsatz, nicht die Anzahl der Termine, nicht ein vorgefertigtes Behandlungskonzept.


6. Offenheit, Ehrlichkeit und fachliche Größe

Ein wirklich guter Osteopath:

  • hört offen zu

  • stellt Rückfragen

  • erklärt Zusammenhänge verständlich

  • vermeidet pauschale Aussagen

  • sagt ehrlich, wenn er nicht der richtige Ansprechpartner ist

Er verweist gegebenenfalls an Kollegen oder andere Fachdisziplinen. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Professionalität.


7. Hygienische Standards: ein unterschätztes Qualitätsmerkmal

Auch das sagt viel über eine Praxis und ihre Haltung aus:

  • saubere, aufgeräumte Behandlungsräume

  • Desinfektionsmittel in jedem Raum

  • frische, patienteneigene Laken oder Handtücher mit klarem Aufbewahrungssystem

  • saubere Kleidung

  • gepflegte Hände, kurze Fingernägel, kein Nagellack

  • kein Geruch nach Nikotin oder Schweiß

Der Körper eines Menschen verdient Respekt – auch auf dieser Ebene.


8. Die Homepage als Visitenkarte

Die Website ist die Außendarstellung einer Praxis. Sie zeigt:

  • wie transparent gearbeitet wird

  • ob Leistungen realistisch beschrieben sind

  • ob mit Angst, Heilsversprechen oder Übertreibungen gearbeitet wird

Eine zweifelhafte Außendarstellung lässt oft Rückschlüsse auf die innere Haltung des Therapeuten oder des Praxisbetreibers zu.


9. Weitere Kriterien, die für Qualität sprechen

  • verständliche Aufklärung ohne Fachchinesisch

  • realistische Therapieziele statt Heilversprechen

  • Zeit für Fragen

  • strukturierte Anamnese

  • respektvoller Umgang mit Grenzen (körperlich wie emotional)


Ganz wichtig: Woran du einen unseriösen Osteopathen erkennst

❌ Verkaufsgespräche statt Therapie

  • Mindestanzahl an Behandlungen

  • Behandlungsabos

  • 10er-Karten

  • Rabatte „nur heute“

Osteopathie ist keine Fitnessmitgliedschaft. Niemand kann im Voraus seriös festlegen, wie viele Behandlungen ein individueller Mensch „braucht“.


❌ Angst als Druckmittel

Aussagen wie:

„Wenn Sie nicht mindestens 5-mal von mir behandelt werden, landen Sie im Rollstuhl.“
„Ohne Behandlung wird das ein orthopädischer Notfall.“

sind unprofessionell, unseriös und ethisch nicht vertretbar. Medizinische Aufklärung darf informieren – aber niemals Angst erzeugen, um Abhängigkeit zu schaffen.


❌ Absolute Wahrheiten und Ausschließlichkeitsdenken

Ein guter Osteopath sagt nicht:

  • „Nur ich kann Ihnen helfen.“

  • „Andere Therapien bringen hier nichts.“

  • „Das müssen wir unbedingt behandeln, sonst…“

Stattdessen gibt es Aufklärung, Einordnung und Wahlfreiheit.



Fazit: Dein Bauchgefühl zählt

Ein guter Osteopath macht keine Angst. Er verkauft keine Pakete. Er arbeitet transparent, respektvoll und ehrlich.

Und vor allem: Du gehst nach der Behandlung nicht mit Sorge nach Hause – sondern mit mehr Verständnis für deinen Körper.

Wenn du dich ernst genommen fühlst, gut aufgeklärt wirst und dein Bauchgefühl „Ja“ sagt, bist du sehr wahrscheinlich an der richtigen Adresse.

Und falls nicht: Du darfst jederzeit gehen.


Das könnte dich auch interessieren:



Woran erkennt man einen guten Osteopathen?
"Guter" oder "schlechter" Osteopath - woran erkenne ich es?

 
 
 

Kommentare


bottom of page