Woran erkennt man einen guten Osteopathen?
- Mariella Koch
- vor 11 Minuten
- 3 Min. Lesezeit
Osteopathie ist eine sehr persönliche Therapieform: Man gibt Verantwortung, Vertrauen und seinen Körper in fremde Hände. Umso wichtiger ist es zu wissen, woran man eine gute osteopathische Behandlung erkennt – und woran eben nicht.
Der Anlass für diesen Artikel war ein Erlebnis, das mir kürzlich von einer Patientin geschildert wurde und das mich ehrlich gesagt erschüttert hat:
Ein Orthopäde mit osteopathischem Angebot erklärte ihr bei harmlosen, kleinen bindegewebigen Adhäsionen am Schienbein, es handle sich um eine „Form der Sehnenscheidenentzündung“. Diese müsse dringend und ausschließlich von ihm behandelt werden, sonst drohe ihr in zehn Jahren ein „orthopädischer Notfall“.
Empfohlen wurden 10 Behandlungen à 390 €.
Das ist kein medizinisch sauberes Arbeiten, das ist Angstverkauf. Und genau deshalb ist Aufklärung so wichtig.
Die wichtigsten Merkmale eines guten Osteopathen
1. Freundlichkeit und echte Zugewandtheit
Ein guter Osteopath begegnet Menschen auf Augenhöhe. Freundlichkeit ist kein Bonus – sie ist Grundvoraussetzung. Dazu gehört ein respektvoller Umgang, ein offenes Zuhören und ein wertschätzender Ton, unabhängig davon, wie komplex oder banal eine Beschwerde erscheint.
2. Empathie statt Abfertigung
Empathie bedeutet nicht Mitleid, sondern echtes Interesse am Menschen hinter den Symptomen. Beschwerden werden ernst genommen – ohne Dramatisierung, aber auch ohne Bagatellisierung.
3. Erfahrung – und der richtige Umgang damit
Erfahrung zeigt sich nicht durch große Versprechen, sondern durch Ruhe, Klarheit und realistische Einschätzungen. Gute Osteopathen wissen, was sie können – und auch, wo ihre Grenzen liegen.
4. Regelmäßige Fortbildungen
Medizinisches Wissen entwickelt sich ständig weiter. Wer osteopathisch arbeitet, hält sich fachlich up to date, reflektiert eigene Konzepte und bildet sich regelmäßig fort – fachlich und menschlich.
5. Der ehrliche Wunsch, Menschen zu helfen
Das klingt banal, ist aber entscheidend. Bei einem guten Osteopathen steht der Mensch im Mittelpunkt – nicht der Umsatz, nicht die Anzahl der Termine, nicht ein vorgefertigtes Behandlungskonzept.
6. Offenheit, Ehrlichkeit und fachliche Größe
Ein wirklich guter Osteopath:
hört offen zu
stellt Rückfragen
erklärt Zusammenhänge verständlich
vermeidet pauschale Aussagen
sagt ehrlich, wenn er nicht der richtige Ansprechpartner ist
Er verweist gegebenenfalls an Kollegen oder andere Fachdisziplinen. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Professionalität.
7. Hygienische Standards: ein unterschätztes Qualitätsmerkmal
Auch das sagt viel über eine Praxis und ihre Haltung aus:
saubere, aufgeräumte Behandlungsräume
Desinfektionsmittel in jedem Raum
frische, patienteneigene Laken oder Handtücher mit klarem Aufbewahrungssystem
saubere Kleidung
gepflegte Hände, kurze Fingernägel, kein Nagellack
kein Geruch nach Nikotin oder Schweiß
Der Körper eines Menschen verdient Respekt – auch auf dieser Ebene.
8. Die Homepage als Visitenkarte
Die Website ist die Außendarstellung einer Praxis. Sie zeigt:
wie transparent gearbeitet wird
ob Leistungen realistisch beschrieben sind
ob mit Angst, Heilsversprechen oder Übertreibungen gearbeitet wird
Eine zweifelhafte Außendarstellung lässt oft Rückschlüsse auf die innere Haltung des Therapeuten oder des Praxisbetreibers zu.
9. Weitere Kriterien, die für Qualität sprechen
verständliche Aufklärung ohne Fachchinesisch
realistische Therapieziele statt Heilversprechen
Zeit für Fragen
strukturierte Anamnese
respektvoller Umgang mit Grenzen (körperlich wie emotional)
Ganz wichtig: Woran du einen unseriösen Osteopathen erkennst
❌ Verkaufsgespräche statt Therapie
Mindestanzahl an Behandlungen
Behandlungsabos
10er-Karten
Rabatte „nur heute“
Osteopathie ist keine Fitnessmitgliedschaft. Niemand kann im Voraus seriös festlegen, wie viele Behandlungen ein individueller Mensch „braucht“.
❌ Angst als Druckmittel
Aussagen wie:
„Wenn Sie nicht mindestens 5-mal von mir behandelt werden, landen Sie im Rollstuhl.“
„Ohne Behandlung wird das ein orthopädischer Notfall.“
sind unprofessionell, unseriös und ethisch nicht vertretbar. Medizinische Aufklärung darf informieren – aber niemals Angst erzeugen, um Abhängigkeit zu schaffen.
❌ Absolute Wahrheiten und Ausschließlichkeitsdenken
Ein guter Osteopath sagt nicht:
„Nur ich kann Ihnen helfen.“
„Andere Therapien bringen hier nichts.“
„Das müssen wir unbedingt behandeln, sonst…“
Stattdessen gibt es Aufklärung, Einordnung und Wahlfreiheit.
Fazit: Dein Bauchgefühl zählt
Ein guter Osteopath macht keine Angst. Er verkauft keine Pakete. Er arbeitet transparent, respektvoll und ehrlich.
Und vor allem: Du gehst nach der Behandlung nicht mit Sorge nach Hause – sondern mit mehr Verständnis für deinen Körper.
Wenn du dich ernst genommen fühlst, gut aufgeklärt wirst und dein Bauchgefühl „Ja“ sagt, bist du sehr wahrscheinlich an der richtigen Adresse.
Und falls nicht: Du darfst jederzeit gehen.
Das könnte dich auch interessieren:





Kommentare